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Die Trainingsmethode
Das VO LAM stützt sich dabei auf zwei Säulen, die Kampftechnik und die Kraft Dieser Dualismus wird für jede Art von Kampfkunst als sehr wichtig erachtet. Die Kampftechnik soll Bewegungsabläufe und Gelenkigkeit schulen. Durch sie lernt man die Techniken, die sowohl den Angriff als auch die Verteidigung ermöglichen. Die Kraft schützt den Körper vor den Treffern des Gegners und unterstützt eigene Angriffe. Die Kampftechnik des VO LAM ist eine Synthese von hart und weich. Das Harte kommt von den Bewegungen von Tiger, Löwe und Bär, wobei die Formen meist sehr kraftvoll und mit kontrahierten Muskeln ausgeführt werden. Dies hat den Sinn, einen muskulösen und kräftigen Körper zu erreichen. (Isometrische Übungen). Weich hingegen wird meist auf sehr ruhige Art trainiert und wird vor allem bei der Abwehr gebraucht, wobei versucht wird, die Kraft des Gegners auszunutzen. Dies hat den Vorteil, dass wenig eigene Körperkraft nötig ist, um sich auf realistische Art zu verteidigen. Einen Großteil der Zeit wird hierbei auf Partnerübungen verwand, die Bewegungsabläufe kommen von Affe, Kranich und Schlange. Beim Training der inneren Kraft kann man zwei Formen (Nganh Cong und Nhuyen Cong) von äußerlicher Auswirkung auf den Körper feststellen. Entweder eine unglaubliche Widerstandsfähigkeit gegenüber äußerlicher Gewalteinwirkung oder eine in unserem Kulturkreis unbekannte Form von Geschmeidigkeit. Bei der ersteren (Nganh Cong) wird der Körper extrem kräftig ausgebildet, beim zweiteren (Nhuyen Cong) ist die physische Erscheinung sehr unauffällig. Die Weiche Form ist schwerer zu erlernen, aber für Personen mit eher schwacher körperlicher Veranlagung ideal. Im Idealfall soll ein Treffer vom Körper absorbiert werden, vergleichbar einem Schlag in ein weiches Kissen. Für welchen Weg man sich entscheidet hängt in erster Linie vom Lehrer ab, da man schon zu Anfang der Ausbildung den einen oder anderen Weg einschlagen muss. Eine Synthese der beiden ist nur schwerlich zu realisieren. Das Training der inneren Kraft hat aber vor allem auch innerliche Auswirkungen. Durch Atemtechniken und Meditation wird die innere Energie des Körpers trainiert, das sog. Chi. Wenn wir die innere Kraft richtig trainieren, sammeln wir die Luft in unserem Körper, entnehmen dort die Originalstoffe, verwandeln sie in Lebensenergie und können sie dann zielgerichtet in die Körperteile oder auch außerhalb des Körpers leiten. Nach dieser Einführung, in diese für westlich geprägte Menschen nicht leicht nachzuvollziehende Thematik wird es deutlicher warum die Oberbonzen das VO LAM benutzten, um ihren Geist zu trainieren. Noch deutlicher wird es, wenn man den Zusammenhang von VO LAM und Zen Buddhismus versteht. Das Zen und das Leben stellen eine ganzes dar, da man durch Zen eine Antwort auf die Sinnfrage des Lebens bekommen kann. So hat jeder Mensch schon einmal in gewisser Weise meditiert, oder über sich selbst reflektiert. Meist geschieht das mehr oder weniger unbewusst. Das Leben wiederum beruht auf natürlichen Vorgängen. Somit ist der Zusammenhang zum VO LAM hergestellt, welches sich auch auf die Natur beruft. Leider wurde in der Vergangenheit - z.T. auch heute - die Lehre des Zen öfter von Sekten missbraucht oder - vor allem im Westen -als Religion missinterpretiert Dies hat dazu beigetragen, sich ein falsches Bild vom Zen Buddhismus aufzubauen. In ihrer ursprünglichen Form jedoch können Zen und VO LAM den Menschen zu einem „natürlichem Leben " führen.
Dschuang Dsi
Aber wie wichtig ist es überhaupt mit der Natur zu Lehen? Eine Lebensweise wider der Natur verschließt das wirkliche Leben vor dem Menschen. Es ist vergleichbar mit einem weit entfernten Stern, den man am Firmament betrachtet. Was man zu sehen glaubt, ist der Stern selbst, doch in Wirklichkeit ist es nur Licht, ausgestrahlt von einem Himmelskörper vor unendlich langer Zeit. Eine natürliche Lebensweise hilft uns das wirkliche Leben wahrzunehmen, das ganze Leben ist im Kreislauf der Natur eingebunden. Darum soll man sich auch im alltäglichen Leben nicht vorrangig durch Alltagsstress oder reine Berechnung leiten lassen. Vielmehr durch eine geistige Gelassenheit. Durch Gelassenheit - nicht bewerten, nicht urteilen, nicht interpretieren, nicht vergleichen, nur schauen - können wir „was wirklich ist" sehen. In Früheren Zeiten wurde das VO LAM von den Oberbonzen nur an sehr wenige Mönche weitergegeben und nur im engsten Kreis trainiert. Erst durch Thien Tarn Thien Su (geb. 1900) wurde es der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Er wurde seit seinem elften Lebensjahr von Moc Duc Thien Su (geb. 1809 - 1931) im Tempel Son Dau am Ma durg Berg in China trainiert. Nach 18 Jahren verließ er den Meister und vervollkommnete seine Kunst in Indien, Burma, Malaysia und Thailand. Nach seiner Heimkehr nach Vietnam ließ er sich im Chi Hoa Tempel in Saigon nieder und gründete die "VIETNAM VO LAM FÖDERATION". Sein erster Schüler, Prof. Dr. Hang Tang (9. Dan), ist zur Zeit der Präsident des Verbandes mit Sitz in Kalifornien, USA. Heute ist es jedermann möglich VO LAM zu erlernen. Der Stil erfreut sich mittlerweile großer Beliebtheit vor allem in Asien. In Europa hingegen ist er fast unbekannt, weil es hier früher wenige Vietnamesen gab. Im VO LAM unterscheidet man grob zwischen vier Leistungsstufen: Anfänger, Fortgeschrittene, Meister und Großmeister. Die durchschnittliche Ausbildungsdauer zum Meister beträgt ca. 12 - 15 Jahre, zum Großmeister ca. 18 - 20 Jahre. Im VO LAM - Kung Fu kann der Fortgeschrittene den Anfänger, der Meister den Fortgeschrittenen und der Großmeister den Meisler lehren. Voraussetzung für den Erfolg sind natürlich Fleiß, Aufwand und Talent. Also betreibt jeder sein eigenes Boot und versucht es übers Meer zu rudern.
Das Geheimnis von Gesundheit und langem Leben: Gesundheit und ein langes Leben sind seit jeher zwei der großen Wünsche des Menschen. Professor La Rouchefoucauld hat gesagt: Ich würde gerne solange wie möglich leben und dabei so jugendlich wie möglich bleiben." In der westlichen Philosophie stellen Geist und Körper einen Dualismus dar. Sie werden getrennt betrachtet und von den Naturwissenschaften getrennt analysiert, was eine strikte Trennung in psychologische und körpermedizinische Fachgebiete zum Resultat hat. In der fernöstlichen Philosophie dagegen betrachtet man Körper und Geist als Einheit. "Himmel und Erde sind mit mir zugleich geschaffen, alle Dinge sind mit mir eins." Tschuang Tse (355-275v. Chr.) Sterben stellt daher in der fernöstlichen Philosophie nur eine Wandlung des substantiellen Zustandes des Individuums dar. Jeder Mensch hat eine ihm eigene Energie (Tien thien khi}. Sie ist sehr wichtig für das tägliche Leben (annähernd vergleichbar mit dem deutschen Wort "Lebensenergie"). Bei Verlust derselben (oder durch zu hohen Verbrauch im täglichen Leben) treten beim Menschen schwerwiegende gesundheitliche Störungen auf. Viele unserer Zivilisationskrankheiten kennte man also als Auswirkungen dieses Verlustes sehen. Ähnlich einem leeren Wasserglas läßt sich auch dieses Energiereservoir wieder auffüllen. Bestimmte Trainingstechniken sind dazu in der Lage. Darüber hinaus ermöglichen sie uns ökonomischer mit unserer Energie zu haushalten. Diese Techniken werden im Qi Gong, Kung Fu und durch Meditation erworben. Auch erweist sich eine gesunde Lebensweise als unterstützend. Die drei wichtigsten Dinge dabei sind Konzentration, Gelassenheit und innere Ruhe. Durch eine tausendjährige Entwicklung lernte der Mensch den Körper gegen Krankheiten resistenter zu machen und das Altern hinauszuzögern. Es genügt nicht die äußeren Einflüsse einer Krankheit zu behandeln, man ist auch in der Lage, durch den Aufbau der inneren Energie Prävention zu zeigen. Das Training des Kung Fu stellt - nach fernöstlicher Philosophie - eine sehr effektive Methode dar, um den Körper gesund zu erhalten und das Altern hinauszuzögern. Kung Fu Stilisten zeichnen sich durch gute körperliche Verfassung und geistige Gelassenheit aus. In früheren Zeiten hieß es, daß Kung Fu nur für geistig sehr hochgestellte Persönlichkeiten erlernbar sei, da es von einer Aura der Mythologie und der Geheimnisse umgeben war. (Damals waren die Stile zum Teil sehr komplex und wurden vor Außenstehenden geheimgehalten.) Dies änderte sich, als Kung Fu von Than y Hoa Da (geb. 298 v. Chr., Mediziner) und von Tschuang Tse (355-275 v. Chr.) modifiziert wurde. Als ihr Verdienst ist auch die Atemtechnik, wie wir sie heute kennen, aufzuführen. Das Ein- und Ausatmen erfolgt durch den geöffneten Kehlkopf. Beim Einatmen wird reine (unverbrauchte) Luft in den Körper geholt, beim Ausatmen die verbrauchte Luft herausgelassen. Durch Nachahmung gewisser Tierarten (strecken des Körpers) wird der Körper trainiert. Diese Methode heißt Ngu Cam Hi (Bär, Vogel, Reh, Tiger, Affe) oder auf Deutsch "Fünf Tier System". Das Vo Lam Kung Fu basiert auf zwei Säulen, dem realistischem Kampf und dem Qi. Es ist für jeden erlernbar und stellt bei regelmäßigem Training einen Weg dar, einen weisen Geist in einem gesundem Körper aufzubauen. Kung Fu ermöglicht uns, das alltägliche Leben einfacher zu bewältigen, da es uns einen Weg aufzeigt, mit unserer inneren Energie hauszuhalten (bessere Bewältigung von Streß, Gram, Aufbau von Zufriedenheit). Somit ist es ein Weg zu einem gesunden, langen Leben.
" Vereinheitliche Deine Kraft und Du wirst die Weichheit eines Kindes wiedererlangen." Lao Tse (570-490 v.Ch.)
Jeder von uns weiß, daß man einen Fluß nicht aufhalten und zurückfließen lassen kann, aber zum Glück können wir ihn langsamer fließen lassen. 20. April 1998, Meister Truong Minh Le
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